Dienstag, 13. November 2018

Die undurchsichtige Preispolitik der Dentaldepots

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Unter den Dentaldepots tobt ein harter Konkurrenzkampf – Leidtragende sind oftmals Zahnärzte und Zahnärztinnen, die aufgrund unlauterem Wettbewerb und der vorherrschenden Intransparenz oft zu viel bezahlen.

 

Viele Schweizer Zahnärzte und Zahnärztinnen sind bereit, für gute Produkte und zuverlässigen Service angemessene Preise zu bezahlen. Doch tatsächlich angemessen sind diese Preise leider in den wenigsten Fällen, weiss Dr. Andreas Grimm, selbst Inhaber einer Zahnarztpraxis und Gründer des Dentaldepots Smart Dentist: „Jahrelang habe ich, in vollstem Vertrauen in die Dentaldepots, zu viel bezahlt.“ Dr. Andreas Grimm arbeitet seit 23 Jahren als Zahnarzt, seit 1999 in seiner eigenen Praxis. Über die Jahre hinweg tauchten mehr und mehr Ungereimtheiten auf, bis er schliesslich begann zu recherchieren. „Ich war schon bei sehr vielen Dentaldepots, im Inland sowie im Ausland und immer wieder beobachtete ich die gleichen Maschen.“

 

Einmal versprach ihm ein Anbieter unschlagbare Rabatte, was Dr. Andreas Grimm heute stutzig macht, verleitete ihn dazumal zur Zusammenarbeit. Wie der Zufall so wollte, kam in einem Gespräch mit einem Berufskollegen - der sein Material vom selben Depot bezog - aus, dass dieser zwar von keinerlei Rabatten profitierte, aber dennoch nicht mehr bezahlen würde als Grimm. Dieser Widerspruch machte die Zahnärzte neugierig - ein Blick in die beiden Benutzerkonten zeigte, dass die Produkte im Webshop des Kollegen mit tieferen Preisen gelistet waren, als bei Grimm selbst. „Ich war doch ziemlich verdutzt, als ich realisierte, dass der Anbieter die Bruttopreise in meinem Benutzerkonto einfach angehoben hat, sodass er unter dem Strich keine Einbussen durch die gewährten Rabatte einstreichen muss.“

 

Bei einem anderen Dentaldepot, welches sehr tiefe Listenpreise offerierte, stellte sich heraus, dass dieser Preisvorteil ganz einfach mit überteuerten Ersatzteilen und Serviceleistungen kompensiert wurde. Ob überrissene Bruttopreise oder horrende Serviceleistungen, Dr. Andreas Grimm hätte noch einige Episoden auf Lager. „Ich kam an einen Punkt, da war ich nur noch genervt und enttäuscht, also beschloss ich, etwas zu ändern.“

 

Grimm gründete vor drei Jahre das Dentaldepot „Smart Dentist“, welches getreu dem Motto „von Zahnärzten für Zahnärzte“ auch die Interessen der Zahnarztpraxen vertritt. Lesen Sie im Interview, was Dr. Andreas Grimm anders macht und warum sein Konzept so erfolgreich ist.

 

Herr Dr. Grimm, worin genau sehen sie den Missstand in ihrer Branche?

Die Branche ist sehr intransparent, die Leistung eines Depots besteht ja nicht nur aus einem Produkt; Beratung, Instandhaltung, Serviceleistungen und Ersatzteile machen ebenfalls einen Grossteil der Leistung aus. Oftmals ist auch das Angebot sehr vielfältig, viele ähnliche Produkte, viele verschiedene Hersteller. Aufgrund dieser vielen Komponenten erhalten die Depots einen zu grossen Spielraum, um versteckte Kosten unterzubringen.

Der Dentalmarkt ist stark umkämpft, logisch sind da Rabatte ein willkommenes Mittel um potentielle Kunden anzulocken, doch mit so hohen Rabatten kann kein Depot arbeiten – Irgendwo holen sich die Depots das verlorene Geld immer wieder zurück.

 

Welche Konsequenzen haben Sie daraus gezogen?

Mir wurde bewusst, dass ich mit meinem verlorengegangenen Vertrauen, wohl nicht sobald einen passenden Zulieferer finden würde. Ich wollte mich nicht mehr hintergangen fühlen. Im Gespräch mit Kollegen und Kolleginnen merkte ich, dass es nicht nur mir so ergeht. Die logische Konsequenz für mich war daher, ein eigenes Depot zu gründen. Eines, dass nicht nur durch mich als Hauptinhaber, sondern auch durch die Kundinnen und Kunden kontrolliert werden kann. Deshalb habe ich die Firma Smart Dentist ins Leben gerufen.

 

Was macht Smart Dentist denn anders?

Wir verzichten auf Rabatte, es gibt pro Produkt einen Preis und der ist für alle gleich – auch für meine Praxis. Als Anreiz bieten wir den Kundinnen und Kunden in Form von SmartPoints eine Rückvergütung in der Höhe von 5% ihres Umsatzes. Diese SmartPoints können als Zahlungsmittel für Fortbildungen bei praktisch allen Anbietern (Universitäten, Fachgesellschaften, private Anbieter), Serviceleistungen und sonstige Dienstleistungen für die Praxis eingesetzt werden. Der grösste Unterschied liegt aber wohl in der Möglichkeit, dass jeder Zahnarzt und jede Zahnärztin bei Smart Dentist Aktien erwerben, sprich Mitinhaberin oder Mitinhaber werden kann und somit Einsicht in unsere Geschäftspraktiken erhält. Nur so können wir Transparenz und Fairness zu 100% gewährleisten.

 

Was wollen Sie mit Smart Dentist erreichen?

Als Zahnarzt möchte ich mich primär um meine Praxis und meine Patienten kümmern können. Ich möchte keine Zeit darauf verschwenden, Webshop um Webshop zu prüfen und Preise zu vergleichen. In meinem Freundeskreis gibt es viele Zahnärztinnen und Zahnärzte, den meisten geht es gleich. Es braucht also einen Partner, dem vertraut, oder wem das nicht ausreicht, der kotrolliert werden kann.

 

Und nun haben Sie ein Depot, ist das nicht ein etwas teures Hobby?

Klar kostet das Ganze viel Geld, aber ich bin der Überzeugung, dass es sich lohnt, ein Zeichen zu setzen und für unseren freien Berufsstand zu kämpfen. Smart Dentist ist nicht nur ein Dentaldepot oder ein Hobby – es ist eine Philosophie. Alle Zahnärzte und Zahnärztinnen, welche Ähnliches erfahren haben, werden mir Recht geben.

 

Macht Smart Dentist denn schon Gewinn?

Als Start-Up Unternehmen ist es unmöglich in so kurzer Zeit Profit zu machen. Erfreulich ist aber, dass wir bessere Resultate erzielen, als im Businessplan vorgesehen. Smart Dentist hat über 140 Kunden und wächst täglich, das ist für mich der Beweis, dass unser Konzept funktioniert!

 

Muss jeder Kunde bei Ihnen Aktien kaufen?

Im Gegenteil, viele kaufen bei uns ein, ohne beteiligt zu sein. Pro Kundin und Kunde können nur begrenzt Aktien gekauft werden, ich möchte mit dem Aktienverkauf nicht Geld verdienen, sondern Transparenz schaffen.